Einer der ganz großen deutschen Maler hat sich entschieden, nicht mehr zu malen. Mit 88 Jahren legt Gerhard Richter den Pinsel aus der Hand und geht in Pension. Richter gilt seit vielen Jahren als teuerster lebender Maler und findet sich nun alt genug, um sein Malerdasein ad acta zu legen. Drei Kirchenfenster von Tholey sollen sein Abschiedswerk sein. Sie wurden Mitte September der Öffentlichkeit präsentiert.

Von Dresden nach Düsseldorf

Geboren 1932 in Dresden, führte er weltweit Künstler-Rankings an und ist dennoch bescheiden geblieben. Mit 29 Jahren entschließt sich Richter mit seiner Frau Marianne nach Westdeutschland zu fliehen. Seine Werke lässt er in Dresden zurück und beginnt an der Düsseldorfer Kunstakademie sein Studium. Nachdem er im Jahr 1967 als Gastdozent an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg gearbeitet hatte, erhielt Richter 1971 an der Kunstakademie Düsseldorf eine Professur für Malerei, die er bis 1993 innehatte.

Beeinflusst wurde sein künstlerisches Schaffen von Pop Art, dem Abstrakten Expressionismus, aber auch vom Neo-Dada. Gemeinsam mit seinen Künstlerkollegen Sigmar Polke, Konrad Lueg und Manfred Kuttner kreierte er den Kapitalistischen Realismus.Diese Kunstrichtung hatte den Sinn, den Sozialistischen Realismus, also die Doktrin der einstigen Sozialistischen Länder zu ironisieren.

Abmalungen und Fotorealismus

1960 verwendete Richter Fotografien als Vorlagen für seine Gemälde. Diese Arbeit ließ ihn nicht los und er führte sie in den kommenden Jahren immer wieder durch. Motive aus Zeitungen und Zeitschriften malte er ab, vergrößerte sie und brachte sie in Grau-Weiß auf die Leinwand. Diese Methode ähnelte dem Fotorealismus und waren durch eine verwischt wirkende Unschärfe gekennzeichnet.

Abmalungen und Fotorealismus
Abmalungen und Fotorealismus

Richters Zyklus mit dem Titel 18. Oktober 1977 besteht aus 15 Bildern in Grau und Schwarz-Tönen aus dem Jahr 1988 und beschäftigt sich mit den RAF-Terroristen Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Holger Meins. Die Serie wurde zehn Jahre lang im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt gezeigt und sorgte bei der Eröffnung für heftige Reaktionen. Im Jahr 1995 kaufte das New Yorker Museum of Modern Art die Bilderserie um drei Millionen Dollar.

Farbenfroh und abstrakt, aber nicht so toll

In diesem Jahr zeigte Richter rund 70 seiner Werke in einer Ausstellung im Dresdner Albertinum. Die Bleistiftzeichnungen sind nach einer Pause ab November 2017 entstanden. Der Künstler selbst bleibt wie immer bescheiden, denn er findet seine Zeichnungen zwar farbenfroh und abstrakt, aber nicht so toll. Das ist typisch für einen Künstler, der sein Leben lang kritische Distanz zu seinen Werken gehalten hat. Der kommerzielle Erfolg war für Richter nie wichtig. Auch, wenn seine Bilder bei Auktionen Höchstpreise erzielt haben.

Im Juli 2020 wurde ein Bild von Gerhard Richter bei einer Auktion in München für 2,6 Millionen Euro verkauft. Ein Sammler aus Hongkong kaufte das Werk „Christiane und Kerstin“ aus dem Jahr 1968. Als 2015 ein abstraktes Bild von Richter bei Sotheby’s für 41 Millionen versteigert wurde, fand er das „gruselig“. Auch wenn er sich aus der Malerei zurückgezogen hat, schließt Richter nicht aus „kleinere Sachen oder Entwürfe“ zu machen und weiter zu zeichnen.

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